Aller Anfang ist hochprozentig

Aller Anfang ist hochprozentig

„Wenn Sie schon bei uns am Stand rumstehen, Herr Cramer, dann trinken Sie doch wenigstens einen Eierlikör mit uns!”, so hatte damals alles begonnen. Die PARTEI war in Karlsruhe zum Wahlkampf angetreten mit dem Ziel die absolute Mehrheit im Gemeinderat zu erreichen. Vielleicht wäre nach dem gemeinsamen Eierlikör („Pfui Teufel”, Cramer) mit dem Altrocker der KAL auch schon alles wieder vorbei gewesen, hätten wir an diesem Tag nicht gerade „hohen” Besuch gehabt: Nachdem unser „Noch besser für Karlsruhe”-Plakat (das die CDU dann auch direkt plagiiert hatte – dummerweise hatten wir den erweiterten Konjunktiv ja schon besetzt, so dass ihr nur  der Slogan „Besser für Karlsruhe” geblieben war) sich in Windeseile in die Herzen der Bürger katapultiert hatte, wurde auch die Presse auf uns aufmerksam. So kam es, dass uns an diesem Tag die wohl jüngste Reporterin des Heizdeckensenders SWR4 auf unserer Mission Machtübernahme begleitete. Lüppo Cramer – Vollblutpolitiker, der er ist – bemerkte das Mikrofon und nutzte seine Chance, es auch gleich in Anspruch zu nehmen.

Was er allerdings gleich sagen würde, hatten selbst wir nicht erwartet: Vor den Hörgeräten des Schlager- und sonstigen Gräueltatensenders ließ Cramer, zu diesem Zeitpunkt vermutlich schon von unserem Eierlikör beseelt („Gar nicht schlecht das Zeug”, Cramer) verlautbaren, dass er, im Falle unseres Einzugs in den Gemeinderat, sofort eine große Koalition seiner KAL mit unserer PARTEI anstreben werde. Jetzt war es nicht nur öffentlich, sondern auch hochoffiziell: Die KAL war bei weitem nicht die erste Partei, die sich uns angebiedert hatte, aber sie war die erste, die das auch öffentlich zugab.

Und sie sollte nicht die einzige bleiben: Nur eine Woche später hatten sich die Piraten an unseren Stand geschlichen. Nachdem diese das wohl erste Mal in ihrem Leben ein Gläschen Alkohol getrunken hatten („Daran könnte ich mich gewöhnen”, Pirat), ließen auch sie sich im Eierlikör-Rausch zu einer GroKo-Aussage hinreißen. Dieses Mal als Foto, das wir auf unserer Webseite mit der Bildüberschrift veröffentlichten: „Ist das die neue GroKo von Karlsruhe?”. Drei Minuten später lauteten die Kommentare darunter: „Bitte nicht!”, „Ihr spinnt!” und „Ich wusste gar nicht, dass es die Piraten überhaupt noch gibt!”. Diese Warnungen saßen tief.

Manchmal kommt dann die Zeit im Leben eines Politikers, in der er nicht auf Volkes Stimme hören darf: Am 25.Mai stand fest: Die PARTEI hatte die Wahl krachend verloren. Mit etwas mehr als einem Prozent der Wählerstimmen hatten wir zwar einen Sitz im Gemeinderat errungen, zum Feiern war allerdings niemandem von uns zumute. Wir hatten unser Ziel – 99% + x – deutlich verfehlt; die absolute Mehrheit war damit in weite Ferne gerückt. Was also tun?

Auch die KAL hatte Federn gelassen: Durch Lüppo Cramers Aussage zur Koalition hatte die KAL ihre Stammwählerschaft endgültig vergrault und somit ihren Fraktionsstatus verloren. Direkt am Wahlabend einigte man sich daher auf eine Wiederaufnahme der Koalitionsgespräche. Wenn wir die Macht nicht alleine haben konnten, brauchten wir eben Steigbügelhalter.

Aus diesem Grund ignorierten wir alle Warnungen unserer Familien und Freunde und ich griff zum Hörer … „Auskunft, Guten Tag, was kann ich für Sie tun?” … „geben Sie mir die Nummer von Jack Sparrow …”.

*Dieser Text ist ein Ausschnitt aus dem voraussichtlich im Januar 2015 erscheinenden Buch der PARTEI zur vergangenen Gemeinderatswahl in Karlsruhe*

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