Interfraktioneller Antrag: Strategien für bessere sportmotorische Fähigkeiten von Grundschulkindern

Interfraktioneller Antrag: Strategien für bessere sportmotorische Fähigkeiten von Grundschulkindern

  1. Die Stadtverwaltung initiiert im Frühjahr 2017 ein Sportforum als Auftaktveranstaltung mit der Zielsetzung, Strategien für die Verbesserung der sportmotorischen Fähigkeiten von Kindern im Vorschul- und Grundschulalter zu entwickeln.
  2. Zu diesem Forum werden alle in Karlsruhe relevanten Akteurinnen und Akteure des Sports und der Vereine, KIT und Pädagogische Hochschule zur wissenschaftlichen Fundierung, der Schulen, Schulverwaltung, Vertreterinnen und Vertreter des Gesamtelternbeirates und der Kindertagestätten, des Stadtjugendausschusses, das Gesundheitsamt sowie die Mitglieder des Sportausschusses eingeladen.
  3. Die Stadtverwaltung entwickelt aus den Ergebnissen des Forums eine Konzeption für die gezielte sportmotorische Förderung von Kindern im Vorschul- und Grundschulalter in Kooperation mit den Sportvereinen, dem Stadtjugendausschuss sowie KIT/FoSS/PH.
  4. Dabei werden u. a. Maßnahmen entwickelt, mit denen auch diejenigen Kinder angesprochen werden können, die große sportmotorische Defizite aufweisen und die außerhalb des Schulsportunterrichts bisher keine Sportangebote angenommen haben.

Sachverhalt / Begründung:

Seit Jahren wird bei Einschulungsuntersuchungen (ESU) festgestellt, dass die motorischen Fähigkeiten der Kinder immer geringer werden. Gleichzeitig nehmen Sprachentwicklungsverzögerungen zu. Der naheliegende Zusammenhang von Bewegung und Sprachentwicklung erzeugt dringenden Handlungsbedarf.

Im August letzten Jahres hat der PSK Sport Südstadt e. V. die Mitglieder des Sportausschusses auf seine besorgniserregenden Erkenntnisse aufmerksam gemacht, die aus dem alljährlichen Sporttag beim PSK im Juni 2016 resultierten. Die Übungsleiterinnen und Übungsleiter stellten eine „gravierende Unter- und Fehlentwicklung“ der sportmotorischen Fähigkeiten der (etwa 180) teilnehmenden Grundschulkinder fest.

Insbesondere die koordinativen Fähigkeiten seien teilweise nur rudimentär ausgebildet, so dass beispielsweise das einfache Fangen und Werfen eines Balls für die Kinder eine komplexe Herausforderung darstelle. Die Mehrzahl der Kinder weise zudem eine mangelhafte und teils ungenügende Körperspannung auf und zeige bereits ausgeprägte Fehlhaltungen. Der Verein betont, dass auch die anderen Sportvereine die gleichen Erfahrungen machen. Er appellierte an alle Partnerinnen und Partner im Sport, im Bildungs- und Gesundheitssystem und an uns als politisch Verantwortliche, eine starke Lobby für das Anliegen der besseren sportmotorischen Förderung von Grundschulkindern zu bilden.

Angesichts dieses bekannten alarmierenden Signals aus dem Karlsruher Sport halten wir Antragstellenden eine konzertierte Aktion zur Ausweitung zielgerichteter Sport- und Bewegungsangebote von Kindern im Vorschul- und Grundschulalter für dringend geboten. Dabei geht es nicht nur um den Spaß- und Spielfaktor, sondern um eine fachlich qualifizierte Unterstützung vor allem auch der Kinder, die bislang über den Schulunterricht hinaus keinerlei Sport- und Bewegungsangebote wahrnehmen. Gemeinsam mit allen Akteurinnen und Akteuren ist eine Konzeption zu entwickeln, wie schrittweise alle Kinder verstärkt von zusätzlichen Sport- und Bewegungsangeboten profitieren können.

Die Einbeziehung von Vertreterinnen und Vertretern von Kitas in das Forum ermöglicht auch, die Erfahrungen und Bedürfnisse für eine bessere Bewegungsförderung von Kita-Kindern zu berücksichtigen. Das Programm „Bewegungswelt Karlsruher Kindergarten“ z.B. ist dabei schon seit 2008 aktiv. Zielführend erscheint uns daher eine Auftaktveranstaltung, bei der alle Beteiligten in einem Forum zusammenkommen und Ideen und Umsetzungsvorschläge erarbeiten. Bereits in der Sportentwicklungsplanung wurde in Arbeitsgruppen an diesem Thema gearbeitet, jetzt gilt es den nächsten Schritt der Ergebnisse der Arbeitsgruppen anzugehen.

Günstig ist der Zeitpunkt für eine konzertierte Vorgehensweise aller Beteiligten auch deshalb, weil in diesem Schuljahr der neue Bildungsplan eingeführt wurde. Er bietet die Chance, dass der Sport über die Praxis hinaus zu einem Wissensfach erweitert wird, in dem gesundheitliche Aspekte und soziale Kompetenzen einen größeren Stellenwert erhalten. Leider konnte dies durch fehlende Fachlehrer sowie häufigen Stundenausfall bisher nicht angegangen werden.

Im März 2017 beleuchtet das KIT in einem Kongress zum Thema „Wie bringen wir Kinder in Schwung?“ die wissenschaftliche Seite der Bewegungsdefizite bei Kindern und Jugendlichen und ruft dazu auf, die Erkenntnisse aus der Forschung in die Praxis zu tragen. Diese Erkenntnisse müssen durch die Beteiligung des KIT ihren Niederschlag in der städtischen Konzeption finden.

Aktuell sind viele Akteure z.B. PH, KIT/FoSS mit diesem Thema beschäftigt und haben einem Antrag zum Aufbau eines Forschungsschwerpunktes „Frühkindliche Bildung durch Bewegung“ gestellt. Hier sollte auch die Kommune federführend mit an Bord genommen werden.

Für unsere Stadt wird die bessere Förderung der sportmotorischen Fähigkeiten der Kinder gewinnbringend und nachhaltig sein. Denn Sport und Bewegung sind die wirkungsvollsten und zugleich kostengünstigsten Möglichkeiten, unsere Gesellschaft gesund zu erhalten. Der präventive Nutzen kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Ein von allen Akteurinnen und Akteuren gemeinsam entwickelter „Karlsruher Weg“ für mehr Bewegung und Gesundheit wäre hierfür zielführend und vorbildhaft.

Unterzeichnet von:

Dr. Ute Leidig, Ekkehard Hodapp, Renate Rastätter (GRÜNE)

Tilman Pfannkuch, Detlef Hofmann, Bettina Meier-Augenstein (CDU)

Erik Wohlfeil und Max Braun (KULT)

Parsa Marvi und Irene Moser (SPD)

Tom Hoyem und Karl-Heinz Jooß (FDP)

Antragsverlauf

15.03.2017
Antrag
23.05.2017
Stellungnahme der Verwaltung
23.05.2017
Beschluss des Gemeinderates
Einigkeit bei den Fraktionen. Verzicht auf Abstimmung. Verwaltung wird im Sinne der Vorlage tätig.
 Beitragsbild: CC0 License Pixabay.com

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